Seelenmobil

August 17, 2017

"Mama, du, wenn ich gestorben bin, weiß ich dann noch, wer ich bin?" Mein 10-jähriger Sohn und ich sind gerade mit dem Auto unterwegs, als er in einer scharfen Kurve die Mutter aller Fragen stellt. Noch bevor ich antworten kann, schnappt er sich die passenden Gedanken und erklärt mir folgendes:

"Also, wenn meine Seele in meinem Körper steckt, dann ist meine Seele sozusagen der Fahrer von einem Seelenmobil."

Ich staune nicht schlecht, und mir schwant, warum man von "Lack ab" spricht und mustere mich sogleich im Rückspiegel. Ein mir entgegenkommendes Auto mit seinem Seelenmobilinsassen und Chauffeur hupen erschrocken, als ich mich verdächtig der Mittellinie nähere. Mein Sohn lässt mir keine Zeit zu antworten und spricht weiter:

 

"Weißt du noch, als uns ein Auto an der Ampel gerammt hat und wir eine mega Delle hatten?"

 

Klar weiß ich das! Aber mein Hintermann dachte, er kommt schneller nach Hause, wenn er mich wie eine Billardkugel über die rote Ampel an der Kreuzung stößt.

 

"Das ist mir auch passiert, als ich letzte Woche gefallen bin und mir eine Beule geholt habe. Jetzt weiß ich, wie sich das Auto gefühlt hat! Und wieso passiert das alles? Wieso passieren meinem Seelenmobil denn manchmal Sachen, die weh tun? Checkt meine Seele das nicht?"

 

Endlich versiegt der Redeschwall meines Sohnes und ich fische nach der nächsten Gedankenkette, die aufgerollt an einer Kabeltrommel über mir schwebt.

 

"Weißt du, blöde Erfahrungen, Unfälle, Beulen und Dellen sind manchmal gar nicht schlecht!"

 

Mein Sohn schaut mich entgeistert an.

 

"Doch, schau - wenn wir etwas Schlimmes erleben, dann lernen wir in der Regel eine Menge daraus! Oftmals haben wir uns einfach falsch verhalten, zum Beispiel, wenn wir bei Rot über eine Ampel fahren, dann kracht es halt. Wenn wir uns falsch ernähren, dann werden wir krank. Und wenn wir ständig schlimme Gedanken haben dann ziehen wir genau das in unser Leben, was wir eigentlich vermeiden möchten. So lernt unsere Seele von Leben zu Leben etwas dazu. Sie geht sozusagen in die Schule! Und nun zurück zu deiner Frage: Damit unsere Seele weiter wachsen kann, vergißt sie, was sie in ihren vorherigen Leben so alles erlebt hat - sonst würde sie sich vielleicht ängstigen, je nachdem, was ihr so alles passiert ist. Aber sie macht immer dort weiter, wo sie aufgehört hat.

 

Mein Junior denkt kurz nach:

 

"Dann ist ja nichts umsonst? Dann ist ja alles für irgendetwas gut? Das ist ja klasse! Dann werde ich ja von Leben zu Leben upgegradet - cool! Jetzt verstehe ich auch, warum die Menschen so unterschiedlich sind: weil jeder eine andere Upgrade-Version hat!

 

Und mit der Erkenntnis eines 10-jährigen mit vermutlich HIgh-tech-Upgrade fahren wir lachend mit unserem Auto- und Seelenmobil weiter.

 

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