WAHN I SINN

April 24, 2017

Schauen wir uns doch einmal einen ganz gewöhnlichen Sonntagmorgen in einer ganz gewöhnlichen Familie an - nämlich meiner. Wobei gewöhnlich und wahnsinnig gefühlt irgendwie ganz dicht beieinander liegen...

 

Stellt sich doch gleich die erste Frage: Was denn nun Wahn? Oder Sinn? Während Wahn eine Störung des Denkvermögens darstellt, die einem das Leben mit behindernden Überzeugung schwer macht, macht der "Sinn" einer Sache doch irgendwie "Sinn" - oder nicht....?

 

Fangen wir in der Frühe an. Der erste Gang in die Abstellkammer wird zu einem farben-frohen Spektakel. Der Staubsauger fällt mir zur morgendlichen Begrüßung entgegen (wie nett von ihm!) und stürzt die volle Traubensaftflasche zu Boden. Was für ein schönes Rot, denke ich - Gott sei Dank ist die Wand nicht bespritzt. Was für ein Glück! Und voller Erleichterung hole ich den Putzeimer und putze mal wieder gründlich - auch unter dem Regal. Diese Aktion kann ich auf meiner Frühjahrsputzliste also auch streichen! Die Glassplitter unter meinen Gummistiefelsohlen, die ich anschliessend im Haus verteile, verbreiten so ein lustiges Knirschen, dass es mir ein Lächeln ins Gesicht zaubert - wenn auch ein etwas gequältes....

 

Von oben gröhlt es lauthals, quitschvergnügt und der Hund schießt bellend an mir vorüber um hinter meinem Rücken Schutz zu suchen. Mein Sohn geht nicht nur mit meinem Handy (also mit "seinem", weil ich ja praktisch enteignet wurde) Pokemons jagen, nein, er versucht auch mit seinen Plüschpokebällen den Hund abzuwerfen. Irgendwie kreativ, denke ich und ich freue mich an meiner positiven Eigenschaft, starkes Mitgefühl mit meinem Haustier empfinden zu können. Und der ohrenbetäubende Lärm? Wie herrlich! Ich erinnere mich noch gut an den vergangenen Dezember, als er so richtig, richtig krank 3 Wochen im Bett lag und wir uns ernsthaft Sorgen machten. Also, was stört mich da noch das Quitschen, Gröhlen und Singen am frühen Sonntagmorgen um 7:00 Uhr? Eben. 

 

Die erste Runde Gassi in der Morgendämmerung bei strömendem Regen ist herrlich! Mit der richtigen Regenkleidung walke ich durch den Wald, während der Hund auf der obersten Treppenstufe unter dem Dach sitzengeblieben ist und mir mitleidig nachschaut. Während ich gelüftet und erschöpft nach einer Stunde durchnässt zurückkomme, trabt unser Hund mit trockenem Fell ins Haus. Das Häufchen landet später auf dem Teppich im Wohnzimmer. Super! Der ist nämlich neu und waschbar! Als wenn ich es geahnt hätte. Wenn das kein Glück ist!

 

Der Rest der Familie sitzt schon fröhlich am Frühstückstisch. Ich habe mir meine Kräuter aus dem Wald mitgebracht und leere meine Beute in die Schüssel. Jetzt noch etwas Obst dazugeschnippelt und meine Vorfreude auf ein "lebendiges" Essen, direkt aus der Natur erfüllt mich mit großer Zufriedenheit. Ich setze mich erschöpft dazu und beobachte meine Schüssel, die sich irgendwie bewegt... etwas sehr lebendig...Was bin ich froh, dass ich keine Furcht vor Käfern habe! Also starte ich eine Rettungsaktion und verfrachte das Tierchen nach draußen, mitsamt der Schüssel. Zum Glück sind die Rehe so groß...wer weiß, was ich sonst noch so alles mit heim schleppen würde.

 

Ist das nun Wahn oder Sinn? Ich finde, es ist Sinn! Wo auch immer ich hinschaue, wo auch immer ich bin, es bieten sich mir eine Fülle von Gelegenheiten, meine Einstellung zu den Dingen zu überprüfen. Fühlt sich etwas nicht gut und sinnig an, dann stimmt was nicht. Nicht mit den Geschehnissen - sondern mit mir!

 

 

 

 

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